o lange ich mich erinnern kann, wollte ich eine Deutsche Dogge besitzen. Als ich meinen ersten kynologischen Atlas öffnete und diesen beeindruckenden Hund sah, der mir direkt in die Augen zu sehen schien, konnte ich förmlich mein Herz vor Aufregung schlagen hören. Es war eine gelbe Dogge die da über die gesamte Seite des Buches thronte. Meine Oma die mir dieses Buch gegeben hatte, hatte natürlich keine Ahnung was sie sich da eigentlich eingebrockt hatte.

 

 

 

ch habe mich in der Gesellschaft von Tieren schon immer sehr wohl gefühlt, so ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass ich einen regelrechten MiniDie Katzen Dracula & Frankenstein Zoo hatte. Umgeben von so vielen Tieren wie in unsere Wohnung passten, bestand mein Zoo aus: 3 Wellensittichen, 17  Die Katzen Frankie & LuckyMeerschweinchen, 7 Zwergkaninchen, 1 Teddy- 1 Gold- und 1 Chinesischen Zwerghamster, 1 Schildkröte, 16 Japanischen Tanzmäusen, einem Aquarium mit ca. 30 Fischen, 2 Erdkröten und 4 Katzen, die bei meiner Mutter in der Wohnung lebten. Einige der Tiere waren mir von meiner Familie geschenkt worden, andere waren von mir gerettet worden und wieder andere haben sich ganz einfach bei uns vermehrt. Die Mäuse zum Beispiel, waren ursprünglich nur eine Maus, die ich in meinem Zimmer versteckt hielt bis ich eines Tages entdeckte, dass sie Junge hatte. Es ist eine Sache eine Maus zu verstecken und eine total andere darauf zu achten, dass gleich sechzehn Mäuse nicht entdeckt werden. Als meine Oma dahinter kam, konnte ich sie aber überreden die Mäuse behalten zu dürfen. Es verging keine Saison in der ich nicht mit einem Vogel der aus dem Nest gefallen war, einem Igel der vor dem Winterschlaf nicht genug Gewicht hatte, oder einer Eidechse der ein Bein fehlte, nach Hause kam. Mit der Hilfe meiner Großeltern konnte ich einige von ihnen gesund pflegen, anderen konnten wir nicht mehr helfen, und ein paar blieben bei uns bis ihr natürliches Ende gekommen war. 

Axel der Terriermischling

 

 

 

iele Jahre lang hörte ich den Geschichten über Axel, dem Terriermischling den mein Opa meiner Oma im ersten Jahr nach ihrer Hochzeit, kurz nach Ende des Krieges, geschenkt hatte zu. Geschichten in denen der Hund Hühner von einem nahe gelegenen Gehöft stahl, in einer Zeit in der Lebensmittel ein Luxus waren, Geschichten von dem Hund der in die Elbe sprang um Steine für meinen Großvater herauszuholen; Axel wachte über den Kinderwagen meiner Mutter, er war mutig, intelligent, loyal und der beste Freund meiner Großeltern. Axel starb als er ungefähr 13 Jahre alt war, lange vor meiner Zeit, und er nahm die Herzen meiner Großeltern mit sich. Der Abschied von Axel war so schwer für die Beiden, dass sie sich entschieden nie wieder einen Hund anzuschaffen, um sich vor einem gebrochenen Herz zu schützen wenn es Zeit wird Lebe Wohl zu sagen.

 

 

 

ngefeuert von all den Geschichten um den treuen Begleiter, entschied ich, dass meine Zeit gekommen war. Axels Tod war nun schon um die 20 Jahre her. Ich konnte (damals) nicht verstehen warum ich ein hundeloses Leben, für etwas das so lange her war, ertragen sollte. Ich war 7 Jahre alt und hatte überhaupt kein Verständnis für die Argumentation meiner Großeltern, mir den Schmerz ersparen zu wollen wenn der liebe Freund einmal von uns gehen würde. Ich sah die Sache aus einem anderen Blickwinkel: Sie ersparten mir keinen Schmerz, sie verursachten ihn indem sie mir die Freuden einer Hundefreundschaft versagten.

 

 

 

ann, nach Monaten von Betteln (und ich war gut darin, wie wohl jede 7-jährige), gewann ich den Nervenkrieg! Ich hatte wirklich meine Großeltern, bei denen ich lebte, davon überzeugt, dass ich mit einem Hund an meiner Seite ein sehr viel glücklicheres Kind wäre. Ein paar Jahre zuvor hatten meine Großeltern das Glück ein Grundstück mit Haus erwerben zu können. Das war auch der Grund weswegen ich bei ihnen lebte, dort hatte ich mein eigenes Zimmer und eine großen Garten in dem ich Spielen konnte. Irgendwie ahnte ich schon, dass der Hund der mit uns leben würde wohl keine Deutsche Dogge sein würde. Meine vorsichtigen Anspielungen in diese Richtung, haben mir nichts als Ungläubigkeit und die Worte "Du bist wohl närrisch!" eingebracht. Aber hoffen durfte man wohl noch und dann waren da ja noch andere Rassen die für ein Kind genauso anziehend waren. Nichts, aber hatte mich auf die Rassewahl meiner Großmutter vorbereitet!

 

 

 

as ist Lady!

Wenn ich heute so zurück blicke, wundere ich mich wieso meine Großeltern meinem Betteln nachgegeben haben ... Musste ich sie wirklich überzeugen? Ich denke, meine Oma hat sich da, mit Hilfe meines Hundewunsches, einen ihrer eigenen Wünsche erfüllt. Ein Pekinese?! Zugegeben, sie war richtig süß, aber ich Lady der Pekingesenmischlinghatte auf wenigstes einen Schäferhund oder einen Boxer gehofft. Einen großen Garten hatten wir, und auch das Haus hätte einen solchen Hund gut beherbergen können. Na ja, es war ja nicht alles verloren, sie hat schon ein bisschen wie ein Schäferhundwelpe ausgesehen. Aber als sie ungefähr ein Jahr alt war, konnte ich sie nicht mehr als solchen Ausgeben, nicht einmal mehr bei den gutgläubigsten Kindern. Dazu wurden dann auch noch die klassischen Erziehungsfehler begangen. Ich hatte nur sehr wenig Kontakt mit meinem (?) Hund als sie noch klein war. Entweder sie hat geschlafen, gefressen oder einer der Erwachsenen hat gerade mit ihr gespielt. So hieß es immer: "Wecke sie nicht auf, störe sie nicht beim Fressen, siehst Du nicht, dass ich gerade mit ihr spiele". Sie schlief bei meinen Großeltern im Bett und wurde von meiner Oma gefüttert. Weil sie so klein war, war von Erziehung gar nicht zu sprechen "sie muss so was nicht können", laut meiner Oma mussten Schoßhunde nicht unbedingt wissen wie man Sitz, Platz, Hier und Bleib macht. Sie beherrschte nur so 'wichtige' Kunststückchen wie Pfötchen geben, etc. Natürlich musste ich dafür zahlen ... wegen der Behandlung als Mittelpunkt der Familie und weil sie so wenig Kontakt mit mir hatte als sie noch klein war, sah sie mich auf der untersten Stufe der Familienhierarchie. Mehr und mehr knurrte sie mich an, zum Beispiel wenn sie fraß oder wenn sie einen Knochen hatte. Bald schon wenn ich meiner Oma zu nahe kam oder mich auch nur aufs Sofa setzen wollte. Es war ja auch zu süß wenn sie knurrte aber nach einiger Zeit begann sie mich zu beißen und später dann startete sie geradewegs Angriffe gegen mich. Alles in Allem kann ich nur sagen, sie war nicht des Kindes loyaler Begleiter, sondern des Kindes schlimmster Alptraum. So war mein aller erster Hund ... katastrophal für mich, wenigsten eine Herzensfreude für die Erwachsenen in meiner Familie.