Im November 2000, Taylor ist knapp über ein Jahr alt, wird im Zwinger vom Sonnenschein ein neuer Wurf geboren. Zwischen Züchtern und uns ist in der Zeit die Taylor bei uns ist eine tiefe Freundschaft entstanden und ich fahre nach Hohenleipisch um bei der Geburt des J-Wurfes dabei zu sein. Leider schaffe ich es nicht, obwohl ich sofort los fahre als die Wehen einsetzen ... 500 Km sind doch zu weit. Als ich ankomme ist der Wurf schon da, die Mutter und die Züchterin sind etwas fertig mit der Welt, es war eine lange Nacht. Wir entschließen uns eine kleine Hündin aus diesem Wurf zu nehmen. Die Entscheidung hatten wir getroffen, weil Scraggy seine eigene Dogge haben wollte, aber auch ich hatte schon einige Monate nachdem Taylor bei uns einzog den Wunsch nach einer zweiten Dogge. Ich hätte mit ziemlicher Sicherheit einen zweiten Rüden dazu genommen, aber wir entschieden uns, dass Mamas Junge und Papas Mädel schon die bessere Kombination ist. Die Kleine ist mit Taylor verwandt, die Mütter der Beiden sind Schwestern.

Mitte Januar ist es dann soweit, wir können die Kleine abholen. Sie ist sofort in Taylor verliebt, folgt ihm auf Schritt und Tritt und ist auch sonst sehr aufgeschlossen. Taylor hätte es eher so wie ich gemacht, er sucht sich einen Rüden aus. Da hat aber Scraggy das letzte Wort und Taylor und ich haben das Nachsehen. Die Fahrt nach Hause ist lang und wir kommen auch noch in einen Schneesturm. Jezebel interessiert das überhaupt nicht, im Wechsel schläft sie oder steigt auf Taylor herum, er nimmt es gelassen hin. Nach 6 Stunden muss Jezzy das erst Mal aufs Töpfchen, das ist viel versprechend.

Nach 8 Stunden Fahrt sind wir endlich zu Hause. Ich trage Jezzy ins Haus, lasse sie im Eingang runter und sie rammelt gleich durchs ganze Haus an die Terrassentür um die Nachbarn an zu bölken. Taylor hat Monate gebraucht bevor er das erste Mal jemanden verbellt hat. Als nächstes ist die Katze dran!! Ripley kennt das schon von Taylor und flüchtet die Treppen nach oben ... Jezzy hinterher. Taylor hat Monate gebraucht um das erste Mal die Treppen zu erklimmen. Diese Kleine ist kleiner als die Katze und wirbelt wie ein geölter Blitz durch die Bude!!! Ich bin sprachlos. Keine Angst, keine Bedenken, kein Stillstehen! Taylor ist genauso verwirrt wie ich. Wir schreiben es der Fahrt zu, so aufgedreht kann unmöglich eine normale Dogge sein.

Pustekuchen, schon bald stellen wir fest, dass die Kleine wirklich nur Pfeffer im Arsch hat! Die Züchter haben vergessen mir zu zeigen wo man das "Ding" ausknippst. Taylor hasst sie und mir kommen schon bald Bedenken, ob ich wohl das Richtige gemacht habe. Die ersten Wochen sind ein Graus, Taylor ist unglücklich und ich habe ganz nah am Wasser gebaut, weil ich ihm gegenüber ein schlechtes Gewissen habe. Jezzy ist trotz ihrer süßen 9 Wochen kaum zu handeln. Scraggy war im siebten Himmel und Jezzy mit ihm, Taylor und ich wären am liebsten ausgezogen!!! Wenn Scraggy von Arbeit kam empfanden Taylor und ich das als einen Segen, endlich mal Ruhe vor ihr. Aus dem Drama heraus geholfen hat uns, wie immer meine Mama. Kurzfristig ist sie in die Bahn gehopst und hat uns den ersten Monat mit Monster-Trulla über die Runden geholfen.

Trockenwerden war bei Trulla, wie sie jetzt allgemein genannt wurde, nicht angesagt. Dieses kleine Biest hat uns doch tatsächlich jedes Mal wenn es eine Protestsituation gab, vor die Füße gestrullt und uns dabei ganz tief in die Augen gesehen. Auf der anderen Seite konnte dieser Hund schmusen, dass einem die Luft wegblieb. So anhänglich und loyal war Taylor nicht. Ein krasser Gegensatz, Taylor der seine Armlänge privaten Raum braucht, der unangetastet bleiben sollte und Trulla die furchtlos, respektlos und invasiv. Man konnte ein Telefonbuch neben ihr auf den Boden knallen, sie hat noch nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Taylor fing eine neue Masche an um seinen Unwillen zu zeigen, er setzte sich, stellte sich oder legte sich einfach auf die Trulla, wenn sie im Weg war. Sie lag in seinem Bett ... macht nix, legen wir uns drauf. Ich hab schon die kleinen Knochen knacken hören. Das musste ich unterbinden, obwohl ich mich selber ein paar mal gerne drauf gelegt hätte! Die Züchter machten sich Sorgen, machten sogar das Angebot, Jezzy wieder zurück zu nehmen. Es gab eh mehr Anfragen als Welpen in dem Wurf waren, sie hätte im Handumdrehen auch ein anderes Zuhause gefunden. Aber ich konnte mir nicht so richtig vorstellen sie wieder abzugeben und mit Scraggy war in dieser Richtung kein Wort zu reden. Als das Angebot kam, war er völlig von der Rolle. Nein, Startschwierigkeiten sind wirklich kein Grund alles hin zu werfen. Lieber setzte ich mich einmal mehr vor die Haustür auf die Treppen und heulte erst einmal ne Runde.

Andere Hunde waren für die Trulla absolut nicht existent. Wenn es darum ging Taylor zu nerven, war alles okay, aber fremde Hunde ... iegitt! Mit 12 Wochen fing ich an Jezzy mit auf die Spielwiese zu nehmen. Dort hangelte sie sich von Mensch zu Mensch und schenkte den anderen Hunden keine Beachtung. Nur Taylor war interessant, aber von dem konnte man ein förmliches Aufatmen hören, wenn er auf die Wiese kam und sich mit den Anderen auseinander setzen konnte. Jezzy blieb außen vor, sie stand am Rand der Menschen-Gruppe und weinte. Wenn Taylor mal vorbei rauschte, ging sie auf ihn zu und wurde völlig unbeeindruckt einfach von ihm umgewalzt. Dort fing wohl unsere Bindung an, sie tat mir leid, sooo viel Elend in dem kleinen Gesicht. Wenn sie so vor den Kopf gestoßen wieder zu mir getrottet kam, hätte ich sie am liebsten auf den Arm genommen und gehuschelt. Sie war der Hahn im Korb, ein Baby, alle anderen Hundebesitzer fühlten sich geschmeichelt wenn sie ausgerechnet bei ihnen auf den Arm wollte, je mehr Aufmerksamkeit von den Menschen kam um so weniger interessierte sie sich für die anderen Hunde. Ich musste ein paar Mal ernste Wörtchen mit den Leuten, die es besser wissen sollten, sprechen. Die Entspannung kam, hieß Chiacomo und war ein gleichaltriger Westi-Welpe. Er war wie die Pest, er lies Jezzy keine Sekunde in Ruhe, dieser kleine Wurz, grade mal eine Handvoll Hund, zahlte ihr jede Minute die sie Taylor auf den Wecker gegangen ist heim! Chiacomo verausgabte sich förmlich, die hatte er sich ausgesucht, die wurde gezwickt, beturnt und gejagt. Es dauerte gut 2 Stunden bis Jezzy sich endlich auf ein Spiel einließ. Aber von dieser Sekunde an gab es keine Halten mehr, mit mischen, ein mischen immer rein in die Hundebande ... "Here comes Jezzy!"

Taylors und meine Einstellung zu Jezzy wandelte sich ganz langsam fast unbemerkt, wir gewöhnten uns an sie. Sie ging uns immer noch gewaltig auf die Nerven, aber es war nicht mehr so ein Drama. Man lernte damit zu leben und irgendwann kam der Tag wo es uns gefehlt hätte nicht wutschnaubend durch die Bude zu toben, im Angesicht von Jezzy's Sturheit. Taylor hat sich irgendwann ihrer Frechheit und ihrer Nerverei einfach ergeben. Er zog sich zurück wenn sie angewalzt kam und sie lernte auch, dass es Zeiten und Situationen gab, wo bei ihm "besetzt" war. Bei ihrem "Daddy" war sie ja sowieso vom Tag eins an das Lieblingskind. Jezzy lernte um einiges langsamer als Taylor, es war schon manchmal zum Verzweifeln, dafür war sie dann bei dem Erlernten korrekter. Wenn Taylor sehr schnell lernte was man von ihm wollte, suchte er trotzdem noch nach Auswegen, Umwegen und wandelte einige Kommandos so ab wie sie ihm in den Kram passten, nicht Jezzy! Wenn sie endlich begriffen hatte was sie machen sollte, war sie schnell und präzise in der Ausübung.

Es dauerte noch bis zum Alter von 10 Monaten, bis Jezzy zuverlässig Stubenrein war. Sie hat mich einiges an Nerven gekostet wir hatten eine medizinische Indikation von unserem Tierarzt ausschließen lassen, es war also nur eine Frage der Zeit und der Erziehung bis wir ihrer Sturheit endlich ein Ende setzen konnten. Dann wartete sie schon mit der nächsten Überraschung auf uns. Im Alter von 12 Monaten, wenn andere Junghunde schon langsam wieder von ihrer Zerstörwut herunter kommen, fing Jezzy an! So wie sie über Nacht aufhörte uns vor die Füße zu strullen, so fing sie über Nacht an das Haus auseinander zu nehmen wenn sie allein war. Uns blieb auch nichts erspart. Die Phase dauerte nicht lange 3-4 Monate und wir waren endlich aus den ganzen Jugend-Hick-Aufs raus. Das Leben konnte beginnen.

Heute ist Jezzy dreieinhalb Jahre alt, ein fester Bestandteil unserer Familie, von "Daddy" bevorzugt und verwöhnt, aber das ist okay ich bevorzuge meine dicke Knutschkugel ja auch. Taylor und ich lieben sie innig .... welch ein Wunder ... es kam eines Tages so über uns. Sie ist noch immer schier endlos agil und nervig aber wir haben in der Zwischenzeit den Abstellknopf bei ihr gefunden. Heute fügt sie sich auch, wenn sie merkt, dass sie stört und geht ihre eigenen Wege. Sie erinnert mich an ein hyperaktives Kind, unheimlich intelligent und genauso nervenaufreibend. Sie wird nun bevorzugt Elfe genannt, einen Nick den sie von Keres-Frauchen Danie, wegen ihrer fantastischen, zierlichen Figur und ihrem leichten, kraftvollen und fast schwebenden Gangwerk, erhielt. Bevorzugt wird sie von Männern, muss an ihrer Zierlichkeit liegen, Taylor ist wirklich sehr viel Hund an einem Stück. Die Männer schätzen ihre Agilität und ihre Drahtigkeit. Frauen fahren dann doch mehr auf die Teddybär-Qualitäten von Taylor ab. Jezzy's eigene Einstellung zu Fremden ist sehr zurückhaltend, sie blüht nicht gerade sehr schnell auf, wenn sie Fremden begegnet und sie ist ihrer Familie gegenüber absolut und 100% loyal.

Nun muss alles Gute im Leben teuer bezahlt werden, und lange Zeit habe ich Jezzy als ausgleichende Zahlung für meinen perfekten Doggenjungen angesehen. Aber je mehr Jahre vergehen, umso weniger teuer kommt mir diese Zahlung nun vor. Mit jedem Tag der vergeht, komme ich dem Gefühl näher gleich zwei Mal gesegnet zu sein mit diesen beiden Hunden! Das Leben stellt uns immer wieder einmal ein Bein aber mit diesen beiden Hunden an meiner Seite ist das Aufstehen ein wenig einfacher.