Taylor, mein Männchen, meine große Liebe! Noch nie ist es mir so schwer gefallen, über jemanden zu Schreiben, wie über meinen Bigibär. Es ist ganz einfach zu schwer so viel Perfektion in Worte zu fassen. Ich könnte mich in Schwärmereien ergehen, die die dicksten Memoiren sprengen würden, aber alles liest sich platt und fade, wenn es erst einmal zu Papier gekommen ist. Diesem Hund können Worte einfach nicht gerecht werden. Damit Ihr Euch ein Bild von meiner Riesen-Knutsch-Kugel machen könnt, will ich es dennoch versuchen. 

Er war nie wirklich schwierig, mein Taylor. Dennoch machte ich mir am Anfang große Sorgen, er baute zu niemandem außer mir eine Bindung auf und konnte nie wirklich mit Menschen. Dafür machte er alle möglichen Verrenkungen, wenn er andere Hunde sah. Mich störte die enge Bindung an mich eigentlich gar nicht, er war mein Wunschhund. Normal fand ich es trotzdem nicht, dass er von Scraggy nichts wissen wollte und fremde Leute auf der Straße anbellte oder anknurrte. In allen anderen Dingen war er im wahrsten Sinne des Wortes ein Sonnenschein.

Die ersten zarten Bande mit Scraggy schloss er erst als der uns auf einigen Spaziergängen begleitete, er machte dann sehr wohl einen unterschied zwischen Fremden und Scraggy. Das setzte sich dann auch zu Hause fort und er war zwar noch nicht bereit mit Scraggy zu knuddeln aber er ließ sich zumindest anfassen und die Unterordnung klappte bei den Beiden auch recht gut. Bei Fremden zeichnete sich ein Muster ab, solange sie einen Hund hatten war Taylor bereit sich mit den Leuten zu befassen. Kein Hunde, kein Weg das war seine Philosophie. Ich nahm Taylor dann mit auf Arbeit, wo er bei mir im Klassenzimmer lag und ständig wechselnden erwachsenen Studenten ausgesetzt war. Es half, er wurde zusehends sicherer im Umgang mit Menschen.

In allen anderen Lebenslagen war er ganz einfach nur ein Traum. Taylor war gelehrig, ordnete sich willig und mit Enthusiasmus unter. Er war in kürzester Zeit sauber, und lernte jeden Tag etwas Neues dazu. Da er bei uns auf das Sofa darf, ich aber beim Essen meine Ruhe haben möchte, wurde Taylor in sein Bett geschickt wenn wir essen wollten. Ganze drei Mal habe ich ihn auf seinen Platz geschickt, bis mir auffiel, dass er vom Sofa aufstand und in sein Bett ging wenn ich mit Tellern aus der Küche kam. Seit dem musste ich Taylor nie wieder auffordern vom Sofa aufzustehen, und noch heute trollt er sich, wenn ich in der Küche die Teller fertig mache. Er ist einer von den Hunden die dir die Wünsche von den Augen ablesen.

Keres bei uns zu BesuchOb es nun an der Erziehungsstrategie liegt, oder ob Taylor ganz einfach SO ein Hund ist, weiß ich nicht, aber auch mit anderen Hunden, Katzen anderen Haus- und Wildtieren hat es nie Probleme gegeben. Als Junghund musste er arg unter einigen Testosteron gesteuerten Rüden leiden, aber es hat bis heute nicht den Anschein, als würde er das nachtragen. Nicht ein einziges mal hat er versucht bei einem anderen Rüden aufzureiten. Er duldet es jedoch heute in einem Alter von 4 Jahren unter gar keinen Umständen mehr von anderen Rüden beritten zu werden. In seinem Rudel auf der Hundewiese ist er sogar dazu über gegangen JuDonca in der Mittenghundpolizei zu spielen. KEINER "seiner" Welpen oder Junghunde durfte bestiegen werden, wenn er in der Nähe war. Sobald sich eine Dominanz-Szene in seinem Rudel anbahnte ging er kurzer Hand dazwischen. Er befasst sich lieber mit Rüden als mit Hündinnen, wenn sie nicht gerade in der Hochbrunst sind, interessieren sie ihn eigentlich gar nicht. Bis zum heutigen Tage ist das so geblieben, Taylor ist ein ruhiger und nachsichtiger Rüde, der leicht Freundschaften schließt und dem man auch getrost Welpen anvertrauen kann. Er fügt sich mit Leichtigkeit in vorhandene Strukturen bzw. Rudel ein und übernimmt die Chefrolle nur wenn sie nicht besetzt ist. Es ist traumhaft schön mit ihm spazieren zu gehen, ohne ewige Angst im Nacken zu haben, wenn uns ein Hund begegnen sollte. Auch Haus und Bett teilen hat Taylor gelernt. So hatten wir Besuch von Keres, Donca und Apollo, die sich alle samt im Haus frei bewegen konnten. Nur mit Futter und Leckerlie sind wir vorsichtig wenn fremde Hunde im Haus sind.

Auch mit Menschen hat sich bei Taylor heute ein Kehrtwende vollzogen. Da man bekanntlich alles Gute teuer bezahlt, muss natürlich auch ich an anderer Stelle bitter für so viel Perfektion bezahlen. Meine Strafe für diesen Hund kam am 13.01.2001 in Form einer kleinen, 8 Wochen alten, blauen Hündin in unser Haus. Aber mehr zu Jezebel an anderer Stelle. Hier sei nur erwähnt, dass der kleine Unruhestifter das unmöglich geglaubte vollbracht hat! Taylor mag Menschen! Frei nach dem Motto "Was ich nicht nehme, bekommt sie" wirft Taylor sich förmlich den Leuten an den Hals. So etwas aufmerksames und verschmustes hat man selten gesehen. Auch Scraggy erntet nun Küsschen, muss im Slalom durch die Wohnung und kann knuddeln was das Zeug hält. Das Ergebnis ist, dass jeder der ihn kennen lernt, ihn haben will. Ich gehe selten mit Taylor irgendwo hin, wo nicht zumindest einer mir die Leine seines Hundes im Tausch gegen Taylors bietet. Aber Leute ... da müsst Ihr Euch gaaaaanz weit hinten anstellen, hinter Keres, Luna und Donca!!!

Ja ... mein Taylor ist ein gesunder, imposanter, ruhiger, liebevoller, selbstsicherer, instinktsicherer, schöner, gehorsamer, wachsamer, verspielter Hund - eine Deutsche Dogge! Bezeichnend für seine Fähigkeit, sich in die Herzen der Leute, die ihn kennen einzuschleichen, fand ich einen Tag als Taylor nur wenige Monate bei uns war. Als Scraggy zu mir sagte: "Was hast Du uns da nur angetan? Du bringst diesen Hund in unser Haus, in unser Leben und nun weiß ich nicht mehr wie ich jemals ohne ihn leben soll! Was soll nur werden, wenn ihm einmal etwas zustößt?" Ja ... davor habe auch ich Angst!